Wort zum Sonntag – Pfingsten 2021

Wir feiern Pfingsten und beenden damit die 50- tägige Osterzeit.  Pfingsten – das Fest des Heiligen Geistes. Als der Apostel Paulus während seiner Missionsreise nach Griechenland kam und sich zum Areopag begab, fand er einen Altar mit der Aufschrift: EINEM UNBEKANNTEN GOTT (vgl. Apg 17, 22-34). Er wandte sich an die Athener, die in ihrer Frömmigkeit keinen Gott übergehen wollten, und sprach mutig: „Was ihr verehrt, ohne es zu kennen, das verkünde ich euch.“ (Apg 17, 23b) Können diese Worte des Völkerapostels nicht auch manchmal für uns gelten, uns Christen des XXI. Jahrhunderts? Ist es nicht oft so, dass auch für uns der Heilige Geist ein unbekannter, geheimnisvoller Gott bleibt? Machen wir uns bewusst, dass dieser Geist, „der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht“, von dem die Bibel spricht (vgl. Joh 15,26), uns befähigt aus dem Glauben an Jesus Christus zu leben und im Licht seines Evangeliums die wichtigen Entscheidungen unseres Alltags zu treffen! In diesem Geist erkennen wir, dass wir Kinder Gottes und zum ewigen Leben mit Gott berufen sind (vgl. Röm 8, 17). Dieser Geist spendet uns Kraft, auch in der aktuellen schweren Corona-Situation die Hoffnung zu bewahren. Dieser Geist stärkt uns, unermüdlich zu unserem Christsein zu stehen, dafür Zeugnis abzulegen. Aber geht es uns nicht manchmal so, wie den Aposteln, die sich nach der Auferstehung Jesu aus Angst hinter verschlossenen Türen vor dem Volk versteckten? (vgl. Joh, 20, 19) Möchten nicht auch wir uns manchmal mit unserem Glauben vor der Umwelt verstecken?

Was feiern wir an Pfingsten?  Die Tatsache, dass an diesem Tag die Apostel von Gottes Geist ergriffen wurden, um in seiner Vollmacht als Zeugen hinauszugehen in die Welt. Sie sollten verkünden, wie Gott in der Vergangenheit gewirkt hat, in der Gegenwart wirkt und wie er einmal alles vollenden wird.

Wie die Apostel sind auch wir – als Christen – von Gott beauftragte Zeugen des Evangeliums. Wir haben denselben Geist empfangen – „die Kraft aus der Höhe“ (Lk 24, 49).

In der Taufe wurde uns der Glauben weckende, Hoffnung stiftende und in-uns-betende Geist geschenkt. Und wie bei der Taufe Jesu, wurde auch uns in diesem Geist von Gott zugesprochen: „Du bist mein geliebter Sohn/meine geliebte Tochter. An dir habe ich Gefallen gefunden“ (vgl. Mk 1,11). Diese Zusage ist der Grund unserer Beziehung zum Dreifaltigen Gott.

Die Fülle der Gaben des Heiligen Geistes empfangen wir im Sakrament der Firmung. Dort sagen wir bewusst unser JA zu ihm, seinem Wirken und seinem Auftrag an uns. Weil wir Menschen uns aber auch wieder von ihm abwenden und vor ihm verschließen können, brauchen wir immer wieder neu das Bewusstsein seiner Ankunft in unserem ganz persönlichen Leben. Darum feiert die ganze Kirche immer wieder Pfingsten mit dem Ruf nach der Ausgießung des Gottes Geistes. Schließen wir uns dieser Bitte auch jetzt wieder an, damit wir neu und spürbar seine Kraft zu glauben, zu hoffen und zu beten empfangen: Veni, Sancte Spiritus! Komm, Heiliger Geist!

In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein gesegnetes Pfingstfest

Ihr Robert Solis, Pastor