Wort zum Sonntag, Ausgabe 9

Wort zum Sonntag 9                                                                                  17. Mai 2020

Liebe Gemeinden!

Laut, publikumswirksam, spektakulär – so müssen Meinungen formuliert werden, um gehört zu werden und Aufmerksamkeit zu bekommen. So tickt unsere Welt und so funktionieren große Teile der Medienwelt.

Besonders jetzt, wo es täglich sehr viele neue Nachrichten gibt und diese oft schwer einzuschätzen sind, wissen viele Menschen gar nicht mehr, was sie glauben sollen. Verschwörungstheorien haben Hochkonjunktur. Sogar einige, sehr wenige Kirchenvertreter, die extreme Außenseiter sind und kein Amt innehaben, äußern schräge Gedanken. Krude und gefährlich nennt unsere Kirchenzeitung diese Meinungsäußerungen und die deutschen Bischöfe haben sich sehr eindeutig davon distanziert.

Deutlich über 80 % der Bundesbürger unterstützen den aktuellen politischen Kurs im Umgang mit der Coronapandemie. Nicht wenige wünschen sich sogar strengere Regeln. Sie alle fallen natürlich nicht auf, weil sie leise sind und sich mit Maske und 1,5m Abstand an die Maßnahmen halten.

„Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt; antwortet aber bescheiden und ehrfürchtig, denn ihr habt ein reines Gewissen …“ Dieser Satz findet sich in unserer heutigen Lesung aus dem 1. Petrusbrief. Das hört sich ganz anders an als die 3 Worte, mit denen ich diese Ansprache begonnen habe. Sie erinnern sich: Laut, publikumswirksam, spektakulär!

Unsere Lesung wurde am Anfang der 90er-Jahren des 1. Jahrhunderts aufgeschrieben. Sie hat als Hintergrund vermutlich die ganz normalen Nachfragen der Nichtchristen an die ersten Christen. Die ersten Christen waren in der Minderheit. Und sie waren auffällig! Allerdings nicht durch große Worte und weltbewegende Aktionen, sondern durch ihren Lebensstil, ihr Gemeinschaft und ihr soziales Verhalten. Es ist ebenfalls davon auszugehen, dass die Christen, die mit dem 1. Petrusbrief angeschrieben wurden, von Vertretern der Mehrheitsmeinung angefeindet und verleumdet wurden. Sie wurden möglicherweise auch bedrängt und attackiert. Ihrer Überzeugung und ihrem guten Stil aber sind sie treu geblieben.

In so einer Lage ist es schwer, aber nicht unmöglich, wahre Größe zu zeigen. Wenn ich diese wahre Größe weiter unterteile, fallen mir folgende Begriffe dazu ein: Geduld, Toleranz, Nächstenliebe, Gelassenheit, Klarheit, Bescheidenheit, Unterscheidungsgabe, aber auch Ausstrahlung, Zuversicht und Mut. Das ist meine heutige Übersetzung unseres Bibelwortes, die natürlich von der aktuellen Coronasituation geprägt ist. Hören wir noch einmal das Original: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt; antwortet aber bescheiden und ehrfürchtig, denn ihr habt ein reines Gewissen …“

Es gibt einen Grund für diese überzeugende Haltung. Dieser Grund wird hier genannt: „Hoffnung, die euch erfüllt…“ Diese Hoffnung entsteht, wenn Menschen an Jesus Christus glauben. Sie entsteht, wenn Menschen mit IHM verbunden sind. Sie wächst weiter, wenn ich gute Erfahrungen mit dem Glauben mache und spüre, wie mein innerer Reichtum zunimmt. Diese Hoffnung hält einiges aus, wenn sie von einer Gemeinschaft mitgetragen wird und mit einem Zuwachs an Lebenssinn und innerer Freude verbunden ist.

Für die kommende Woche wünsche ich ihnen diese Hoffnung, die sie erfüllt. Und auch das, was wir alle in dieser Situation gut gebrauchen können: Geduld, Toleranz, Nächstenliebe, Gelassenheit, Klarheit, Bescheidenheit, Unterscheidungsgabe, aber auch Ausstrahlung, Zuversicht und Mut.

                                                                                                                      Thomas Hoffmann