Wort zum Sonntag, Ausgabe 8

Wort zum Sonntag 8                                                                                 10. Mai 2020

Liebe Gemeinde!

Er hat es wirklich gemacht! Father Timothy aus der Nähe von Detroit/USA hat tatsächlich Weihwasser in seine Wasserpistole gefüllt und damit zu Ostern die traditionelle Speisesegnung vorgenommen. Damit aber nicht genug. Seine Gemeindemitglieder fuhren im Auto mit geöffneten Scheiben an ihm vorbei und er bespritzte die hochgehaltenen Körbe mit dem heiligen Wasser. Drive in gibt es jetzt also schon in der Kirche.

Ich vermute, im Internet lässt sich wirklich für (fast) alles ein Beispiel finden. Irgendjemand hat irgendwo etwas getan oder gesagt, was auffällig, originell, schräg, intelligent oder einfach nur bekloppt ist. Für (fast) alles gibt es einen Beleg. Das eröffnet mir die Möglichkeit der freien Auswahl. Ich kann mir etwas aussuchen und immer behaupten: „Das gibt es schon, das ist gängige Praxis, das ist vollkommen normal.“

Auf der anderen Seite sind all die vielen Informationen natürlich auch verwirrend. Tiefer gefragt: Was ist richtig, was entspricht der Wahrheit, was ist Fake?

Unser Evangelium des heutigen Sonntages enthält einen sehr schönen Satz. Jesus sagt da zu seinen Jüngern: „Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich!“ (Joh 14, 1) Hier wird eine schwere Situation für die Jünger angekündigt. Sie werden auf Jesu tragischen Abschied vorbereitet. Sie werden eingestimmt auf eine fundamentale Veränderung und eine tiefe Erschütterung. Bald wird alles anders und sie sollen in ihrem Herzen, biblisch bedeutet das, als ganzer Mensch, also mit Denken und Gefühl, das Wertvolle und Wichtige von dem Unwichtigen unterscheiden. Ihnen wird angeraten, an Gott zu glauben. Wenn sie das tun, erhalten sie dadurch eine Klarheit für alles, was ihr Leben ausmacht.

Verspritzen von Weihwasser aus einer Wasserpistole – für mich ist das deutlich neben der Spur. Da wird dem Weihwasser eine Bedeutung beigemessen, das es nicht hat, so schön und stärkend dieser Ritus auch oft sein mag. Und ästhetisch ist die Aktion schon gar nicht.

In Coronazeiten wird die Unterscheidung von wichtig und unwichtig, richtig und falsch, lobenswert und unsinnig mehr herausgefordert als sonst. Vieles ist so neu und wir sind nicht darauf vorbereitet.

Für die kommende Woche wünsche ich Ihnen eine gute Gabe der Unterscheidung, ein Händchen für Wesentliches und Unwesentliches. Seien Sie vorsichtig, wenn Ihnen jemand, im Bild gesprochen, Weihwasser in der Wasserpistole verkaufen möchte.

                                                                                                                      Thomas Hoffmann

Heute hören Sie

  • Lesung (Lektor: Felix Leopold)
  • Evangelium (Lektorin: Ursula Thomas)
  • Wort zum Sonntag (Pfarrer Thomas Hoffmann)
  • Fürbitten (Lektor: Georg Krull)