Wort zum Sonntag, Ausgabe 42

Wort zum Sonntag 42                                               10. Januar 2021                                                           Mk 1, 7-11

Lücken im Lebenslauf provozieren Nachfragen. In Bewerbungsgesprächen wird bei Lücken im Lebenslauf mit ziemlicher Sicherheit nachgefragt. Ein Bewerber sollte sich vor dem Gespräch gut überlegen, wie es ihm gelingen kann, diese Zeitspannen nachvollziehbar und überzeugend zu erklären.

Jesus hat riesige Lücken in seinem Lebenslauf. Die Geburtsgeschichten haben wir in der Weihnachtszeit gehört. Danach ist kaum etwas über ihn zu erfahren. 12 Jahre später besucht er den Jerusalemer Tempel. Danach hören wir erst wieder etwas von ihm im heutigen Evangelium. Bei dem Ereignis von heute, der Taufe Jesu, ist er vermutlich um die 30 Jahre alt.

Über alles, was in den vielen Jahren zwischen diesen Daten geschehen ist, gibt es nur Vermutungen. Viel lässt sich, mit theologischen Erkenntnissen verantwortlich umgehend, nicht sagen: Aufgewachsen in Nazareth – den Beruf des Vaters erlernt und einige Zeit als Bauhandwerker/Tischler gearbeitet – im engen Kontakt mit den religiösen Strömungen der damaligen Zeit, die religiös sehr produktiv war – intensive religiöse Suche unabhängig vom Familienkontext. Zusammengefasst: Lückenhafte Bewerbungsunterlagen würde ein Personalchef heute dazu sagen.

Allerdings hören wir in unserem Evangelium von allerhöchster Unterstützung für Jesus. Der Geist Gottes kommt bei seiner Taufe auf ihn herab und eine Stimme aus dem Himmel spricht: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.“ Mit dieser starken Bestätigung geht Jesus zunächst für 40 Tage in die Wüste. Sie hilft ihm, in dieser harten Zeit nicht zu verzweifeln, sondern in ihr sogar noch zu wachsen und zu reifen. Danach ist er bereit, in die Öffentlichkeit zu gehen, Jünger um sich zu versammeln, zu heilen und zu predigen. Diese Bestätigung, die nach einiger Zeit, in der Mitte des Evangeliums, auf dem Berg Tabor bei der Verklärung, wiederholt wird, gibt ihm Kraft, Sicherheit, Klarheit, Ausrichtung und Konsequenz. Danach weiß er, was er zu tun hat und geht den ihm vorbestimmten Weg, auch wenn ihn dieser an das Kreuz von Jerusalem führt. Diese Bestätigung hat er, bildlich gesprochen, immer dabei. Sie ist für ihn wie eine innere Tätowierung, eingeprägt in sein Herz.

Warten Sie auch auf so eine eindrucksvolle Bestätigung von Gott? Es wäre doch wichtig, von Zeit zu Zeit zu hören, dass Sie Gottes geliebte Tochter/Gottes geliebter Sohn sind. In Ihrer Taufe wurde dies ausgedrückt und gefeiert, aber wer erinnert sich schon an seine eigene Taufe? Heute können Sie es noch einmal hören, wenn Sie das Evangelium auf sich beziehen. Das Evangelium ist für Sie geschrieben. Der Satz „du bist meine geliebte Tochter/ du bist geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden“ gilt auch Ihnen, zumal sie zu Jesus gehören und ein Kind Gottes sind. Jesus hat diese kraftvolle Bestätigung als erster gehört, stellvertretend für uns alle, für Sie.

Was kann möglich werden, wenn es uns geschenkt wird, diesen Satz tatsächlich zu glauben?

Selbstverständlich wird dann nicht alles gut. Natürlich werden wir dann nicht von Schicksalsschlägen verschont. Aber mit dieser starken Bestätigung kann es möglich werden, manches durchzustehen, immer wieder aufzustehen und tagtäglich viel Gutes zu sehen. Mit dieser Bestätigung kann es möglich werden, in dieser Welt einiges zu bewegen und täglich seinen Mann oder seine Frau zu stehen. Mit ihr werden alte Lücken im Lebenslauf unwichtig, weil für Gott die Gegenwart sowieso die entscheidende Zeit ist.

Gute Worte sind wichtig. Menschen sehnen sich nach guten Worten. Heute haben Sie eines gehört. Es gilt Ihnen, Gott spricht es Ihnen zu. „Du bist meine geliebte Tochter, du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.“

                                                                                                                                  Thomas Hoffmann