Wort zum Sonntag, Ausgabe 31

Wort zum Sonntag 29                                                                                            18.10.2020

Steuer zahlen ist für uns heute selbstverständlich, war zur Zeit Jesu im damaligen unter der Herrschaft der Kolonialmacht Rom stehenden Israel aber sehr umstritten. Doch den Pharisäern, die im heutigen Sonntagsevangelium (Matthäus 22,15-21) Jesus danach fragen, ob es nach seiner Meinung erlaubt sei, dem Kaiser Steuer zu zahlen, geht es vordergründig nicht ums Geld. Diese im Volk angesehene religiöse Gruppe will Jesus eine Falle stellen, sie will Rache ausüben gegen diesen Lehrmeister, der sie permanent kritisiert und vor den Leuten beleidigt.

Muss man Steuer zahlen? Eigentlich ist es nicht Jesu Auftrag, solche Fragen zu klären. Trotzdem gibt der Herr seinen Gegnern eine klare Antwort, die nachdenklich stimmen soll: „Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört.“ Diese Antwort mag beim ersten Augenblick den Eindruck erwecken, dass Einsatz für den Staat und Einsatz für Gott in Konkurrenz oder Widerspruch zueinander stehen würden. In Wirklichkeit aber will Jesus die beiden Realitäten nicht gegeneinander ausspielen. Es geht nicht um die Alternative, Kaiser oder Gott.

Wir haben als Staatsbürgerinnen und Staatsbürger selbstverständlich unsere Pflichten gegenüber dem Staat, auch finanziell nachzukommen, weil der Staat für die gesellschaftliche und soziale Ordnung sorgt. Als Christen ist es aber auch unsere Aufgabe, Gott Ehre, Anbetung, Dank und Liebe zu erweisen. 

Wenn wir uns in Fragen bzw. Themen der Gesellschaft einbringen, arbeiten wir nicht nur für den Staat, sondern vielmehr versuchen wir, unserer Berufung als Christen zu entsprechen. Das ist wohl der Fall, wenn es um Menschen auf der Flucht, Solidarität mit den Benachteiligten, Armutsbekämpfung, soziale Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung, usw. geht. Durch unser soziales Engagement erfüllen wir den Willen Gottes, wir bauen an seinem Reich und lassen es erfahrbar für die Menschen werden. So befruchten sich das Geben an den Kaiser bzw. an den Staat und das Geben an Gott gegenseitig, ohne in die Konkurrenz zueinander zu geraten.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag.

Pastor Dr. Willy Manzanza, Pfarrei St. Altfrid Gifhorn/Meine

Tagesevangelium

In jener Zeit kamen die Pharisäer zusammen und beschlossen, Jesus mit einer Frage eine Falle zu stellen.
Sie veranlassten ihre Jünger, zusammen mit den Anhängern des Herodes zu ihm zu gehen und zu sagen: Meister, wir wissen, dass du die Wahrheit sagst und wahrhaftig den Weg Gottes lehrst und auf niemanden Rücksicht nimmst, denn du siehst nicht auf die Person.
Sag uns also: Was meinst du? Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen, oder nicht?
Jesus aber erkannte ihre böse Absicht und sagte: Ihr Heuchler, warum versucht ihr mich?
Zeigt mir die Münze, mit der ihr eure Steuern bezahlt! Da hielten sie ihm einen Denár hin.
Er fragte sie: Wessen Bild und Aufschrift ist das?
Sie antworteten ihm: Des Kaisers. Darauf sagte er zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!

Mt 22,15-21