Wort zum Sonntag, Ausgabe 28

Wort zum Sonntag 28                                                                             27. September  2020  –  26. Sonntag im Jahreskreis

Das Ergebnis zählt! Im Sport kommt dieser Satz häufig vor. „Meine Mannschaft hat nicht gut gespielt, aber wir haben trotzdem 3 Punkte mitgenommen. So kann man Meister werden. Das Ergebnis zählt!“, sagt Trainer X.

Im heutigen Evangelium (Mt 21, 28.32) erzählt Jesus eine kleine Geschichte von zwei sehr gegensätzlichen Brüdern. Der erste Bruder wird vom Vater gefragt, ob er heute im Weinberg arbeiten könne. Seine Antwort: „Ich will nicht!“ Später bereut er seine Worte und geht doch zur Arbeit. Der zweite Bruder sagt sofort „Ja, Herr!“, geht aber nicht in den Weinberg.

Der erste Bruder hat alle Sympathien, selbst die Hohenpriester und Ältesten im Evangelium sehen das so. Das liegt wohl daran, dass wir in ihm einen manchmal störrischen, aber letztlich doch guten Menschen vermuten. Einen, der spontan schon einmal etwas Falsches ausspricht, sich aber später darüber ärgert, so wie einige von uns. Jemand, der immer wieder herbe Abgrenzungsversuche unternimmt, aber sich dann doch sagt “ach, ich mache das, es ist ja wichtig“, jemand also, den sein weiches Herz dann doch immer wieder überwältigt. Die Sympathien sind bei diesem Bruder, weil sich viele in ihm wiedererkennen. Wie viele Eltern haben ihren erwachsen gewordenen Kindern schon gesagt „ich bin dagegen, dass du jetzt schon ausziehst“ und dann haben sie 2 Wochen später die neue Wohnung der Kinder renoviert. Wie viele haben bei einer sozialen oder kirchlichen Aktion schon gesagt „im nächsten Jahr mache ich nicht wieder mit“, waren dann aber doch wieder zur Stelle, weil sie gesehen haben, wie wertvoll und wichtig ihre Unterstützung ist.

Selbstverständlich bin ich dafür, auch einmal „Nein“ zu sagen. Oft ist das einfach dran. Dieses kleine und wichtige Wort spart enorm viel Kraft und Zeit. Es schützt mich vor Überlastung. Es hilft auch den anderen, sich neu aufzustellen und Neues zu erfinden. Es schafft Klarheit.

Aber „ja, ich bin dabei“ und dann nicht zu kommen – zur Aufräumaktion im Vereinshaus, zum organisierten Ausflug, zum Füttern der Katze, zum Spiel meiner Mannschaft – das geht gar nicht! Jeder, der sich so verhält, ist rasch bei den anderen unten durch.

Nimmt man die Worte der beiden Brüder im Evangelium ernst und rechnet daraufhin ein Ergebnis aus, dann würden die Worte des ersten etwas sehr Schönes und Wohlschmeckendes ergeben, nämlich Wein. Bei dem zweiten wäre nur Luft im Glas. Worte ohne Taten bringen es nicht, sind eine Luftnummer, heiße Luft.

Für Jesus ist unser heutiges Evangelium ein ziemlicher Aufreger. Er faltet seine Gegner ordentlich zusammen, weil er in ihnen Menschen sieht, deren Taten nicht zu ihren Worten passen wie bei dem zweiten Bruder. Große Worte und nichts dahinter, so seine Kritik. Er ist so deutlich, weil es ihm um etwas Großes, Wertvolles und Grundsätzliches geht.

Jesus befindet sich in einer Entscheidungssituation. Wir sind schon im 21. Kapitel bei Matthäus. Kurz vorher hat er den Tempel von Jerusalem eine Räuberhöhle genannt und dort für ordentlich Aufsehen gesorgt. Im 26. Kapitel wird er verhaftet. Die Stimmung ist schon aufgeladen und die Anspannung steigt.

Was ist nun das Große, Wertvolle und Grundsätzliche, um das es Jesus geht? Ihm geht es um das Reich Gottes und um Gerechtigkeit. Mit anderen Worten, im heutigen Deutsch, als Frage formuliert: Sagt Jesus Gutes und Wahres, sind seine Ansichten, Handlungen und Forderungen gut, richtig, heilsam und zukunftsfähig und führen sie uns in Gottes Nähe? Er erwähnt dann Menschen, Zöllner und Dirnen, die nicht angesehen sind und verachtet werden, aber mehr verstanden haben als die scheinbar Schlauen und die Frommen. Diese gelangen eher in das Reich Gottes als die Hohenpriester und die Ältesten. Das Wort „eher“ besagt nicht, dass sie nicht hineinkommen, hier wird kein absoluter Gegensatz aufgebaut, kein striktes hell und dunkel. Ganz im Sinne des ersten Bruders können sie immer noch aus ihrem Nein ein Ja machen.

Steht so etwas auch bei ihnen an, aus einem Nein ein Ja zu machen? Müssen sie noch ein Wort aussprechen, das vieles zum Guten verändern kann? Wartet eine Tat auf sie, der sie sich gerade verweigern? Sind Schritte in eine versöhnliche und hoffnungsvolle Richtung längst überfällig? Dies zu überlegen führt sie schon ganz nah an Jesus heran. Dies umzusetzen macht sie zu seinem Freund/seiner Freundin.                            Thomas Hoffmann