Wort zum Sonntag, Ausgabe 13

Wort zum Sonntag 13                                                                   14. Juni 2020 – 11. Sonntag im Jahreskreis

Wahre Fußballfans beschleicht in diesen Tagen die Wehmut. Hätte doch an diesem Wochenende die Fußball Europameisterschaft begonnen. Durch Corona ist es anders gekommen. Am kommenden Dienstag wäre unter normalen Umständen in München das absolute Superspiel gewesen, nämlich Frankreich gegen Deutschland. Für Fußballfans ein absolutes Highlight. Schon Tage vorher hätte die Öffentlichkeit heiß darüber diskutiert, welche elf Spieler Yogi Löw denn aufstellt, um Ihnen Verantwortung auf dem Platz zu übertragen. Für ein paar Wochen wären wir wieder ein Land mit mehr als 1 Million Bundestrainern gewesen.

Weil die Europameisterschaft ausgefallen ist, interessiert uns an diesem Wochenende umso mehr die aktuelle Aufstellung des VfL und welcher Spieler dazu noch den Verein wechselt. Ein Bezirksligist, der 1.FC Wolfsburg, hatte gestern sogar einen großen Artikel in der Zeitung, weil er 13 neue Spieler für die neue Saison verpflichtet, um mit ihnen möglicherweise den Aufstieg zu schaffen.

Von einer Art Mannschaftsaufstellung haben wir gerade im Evangelium gehört. Es sind nicht 11, es sind auch nicht 13, es sind 12, die Jesus benennt. Es sind seine zwölf auserwählten Jünger, die uns bekannt sind als die zwölf Apostel mit ihrem Mannschaftsführer Petrus. Mit ihnen möchte Jesus etwas erreichen. Natürlich möchte er kein Fußballspiel gewinnen, sondern das Reich Gottes verkünden. Das ist eine ganz andere Liga! Das ist ein bedeutender und beeindruckender Auftrag. Das ist ein ehrgeiziges, das ist ein großes Ziel.

Jesus selbst sieht gute Voraussetzungen, um dieses Ziel zu erreichen. „Die Ernte ist groß“ sagt er motivierend zu den Zwölf. Und dann übergibt er ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben und alle Krankheiten und Leiden zu heilen. So ausgestattet und befähigt schickt er seine Jünger los und spezifiziert zum Schluss noch einmal den Arbeitsauftrag. „Geht und verkündet: das Himmelreich ist nahe! Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus! Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.“

Einer der Zwölf, Judas Iskariot, passt überhaupt nicht in die Mannschaft und zu diesem Auftrag. Die anderen ziehen nach einiger Zeit los. Es ist ein harter Job, den sie angenommen haben. Sie sind oft heimatlos, es ist gefährlich, sie werden angefeindet. Aber sie haben viel Freude bei ihrer Aufgabe, sie sind erfüllt von einer Idee, ihr Leben hat einen Sinn, sie haben Feuer im Herzen.

Nun müssen sie sich nicht vorstellen, dass den Jüngern am Anfang alle zugejubelt haben. Im Jahr 60 nach Christi gab es ungefähr 4000 Christen. Im Jahr 130, also 100 Jahre nach Christi Tod und Auferstehung, gab es geschätzt 50.000 Christen. Heute gibt es ungefähr 2,26 Milliarden Christinnen und Christen.

Natürlich ist es nicht bei den zwölf Ausgewählten geblieben. Es kamen immer mehr und die Mannschaft wurde richtig groß. Nur so lässt sich dieser Erfolg erklären.

Allerdings ist es nicht eine große Idee, welche den Jüngerinnen und Jüngern Kraft und Mut schenkt, all die Herausforderungen anzunehmen. Es ist eine lebendige, frohmachende und stärkende Beziehung, die sie zu alledem befähigt. Es ist die Beziehung zu Jesus Christus, von der sie ergriffen sind.

Ist der Auftrag Jesu, das Reich Gottes zu verkünden, tatsächlich erfüllt, wenn es über 2 Milliarden Christen auf dieser Welt gibt? Ich bin da skeptisch, weil ich glaube, dass das Reich Gottes vielmehr eine inhaltliche bzw. theologische Größe ist, die nichts mit Mitgliederzahlen, Finanzstärke und Tradition zu tun hat. Die Frage ist, wie unsere Welt inzwischen durchdrungen ist von dem Geist Jesu und welche Auswirkungen das hat? In dieser Hinsicht passiert schon ganz viel, gerade auch in diesen herausfordernden Zeiten. Viel Unterstützung, Nachbarschaftshilfe und Engagement für die Armen und die Kleinen ist in unserer Welt zu finden und Christen haben daran einen großen Anteil. Dennoch, und da bin ich wieder beim Fußball, ist natürlich ein Aufstieg in eine höhere Liga durchaus noch möglich. Da ist noch etwas zu machen, da ist noch einiges möglich, da ist noch Luft nach oben.

„Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter“ – dieser Ausspruch Jesu hat seine Aktualität über die Jahrhunderte nicht verloren. Er gilt auch heute. Wir, seine Mannschaft, haben noch viel zu tun. Da gibt es noch einiges anzupacken. Mit einer engen Verbindung zu Jesus sollte noch einiges möglich sein. Er hat damals seine Zwölf, seine Mannschaft, befähigt und motiviert. Er macht das auch heute mit uns, ganz sicher. Wer mag, kann ihn jetzt um Kraft, Mut, Stärke und Zuversicht bitten.                                                    

Thomas Hoffmann