Wort zum Sonntag, Ausgabe 12

Wort zum Sonntag 12                                                                                           7. Juni 2020, Dreifaltigkeit

Gut rechnen zu können ist wichtig! Es verschafft mir einen Überblick über meine finanzielle Situation, es hilft mir, überteuerte Mogelpackungen als solche zu erkennen und es bewahrt mich davor, unkalkulierbare Risiken einzugehen.

Manchmal bemühe ich mich, meine etwas in die Jahre gekommenen Rechenkünste zu trainieren. Meistens mache ich das Samstagmorgen beim Bäcker. 3 Weltmeister-, 2 Mehrkorn-, 2 Sesam- und 3 Steinofenbrötchen – ich versuche, den Preis im Kopf zu berechnen und das Geld schon aufs Schälchen zu legen, bevor mir die Verkäuferin einen Betrag nennt. Mit guter Konzentration funktioniert das meistens noch einigermaßen.

Bei unserem heutigen Hochfest der Heiligen Dreifaltigkeit komme ich mit meinen Rechenkünsten allerdings nicht sehr weit. Ein Gott in drei Personen, 1 ist gleich 3, wie soll das gehen? Vater, Sohn und Hl. Geist als drei Erfahrungen und Ausdrucksweisen des einen Gottes? Die anderen Religionen verstehen es nicht und wir Christen haben auch so unsere Schwierigkeiten damit. Ist es für Christen hinderlich, gut rechnen zu können? Sind die im Vorteil, die in Mathe immer eine 5 hatten?

Sie erahnen es vermutlich schon. Es geht nicht ums Rechnen. Es geht um die Erfahrungen von uns Menschen und es geht um das Wesen Gottes.

Zunächst zu den menschlichen Erfahrungen. Es gibt Menschen, für die ist Gott vor allem der weise Schöpfer unserer Welt, der Vater dieser Welt, der Begründer des Unternehmens „menschliches Leben“. In der Natur fühlen sie sich Gott ganz nahe. Andere sind begeistert von Jesus. Wenn sie von ihm etwas hören, seine Worte und Taten bedenken, seine Kraft und seinen Mut spüren, dann durchströmt sie eine große Freude und sie fühlen sich ihm zutiefst verbunden. „So zeigt sich Gott“, sagen sie dann. Wieder andere sind glücklich bei gemeinschaftlichen Feiern mit viel Musik, bei Katholikentagen und toll gestalteten Gottesdiensten. Hier erleben sie den Hl. Geist, hier, in Gemeinschaft, da sind sie sich ganz sicher, ist Gott zugegen.

Das sind 3 unterschiedliche menschliche Erfahrungen, die alle auf Gott verweisen bzw. einen Aspekt von Gott betonen. Es sind 3 unterschiedliche Herangehensweisen an die Frage: Wer ist Gott? Hinter ihnen ist der dreifaltige Gott, der Vater, der Sohn und der Hl. Geist zu erahnen. So haben wir schon einmal einige wichtige Erkenntnisse. Gott ist Vielfalt, Gott ist mehr, als ein einzelner Mensch begreifen kann und Gott zeigt sich auf unterschiedlichen Wegen seinen Menschen. Niemand kann je sagen: „Ich habe Gott ganz erfasst.“ Dieser Gedanke gehört wesentlich zum heutigen Hochfest.

Wenn ich jetzt einmal den Menschen außer Acht lasse und nur auf Gott schaue, dann bedeutet die Dreiheit in der Einheit Gottes, dass schon in Gott selbst die Vielfalt grundgelegt ist. Im dreifaltigen Gott selbst ist bereits zwischen den 3 Personen Beziehungsreichtum und Kommunikation angelegt. Gott ist nicht einsilbig, monoton, unbeweglich und starr, sondern in sich umfassend, integrativ und auf Austausch ausgerichtet. Jetzt wird auch klar, warum unser heutiges Hochfest nichts mit Mathematik zu tun hat. Gott ist dafür zu weit, zu tief und zu vielfältig. Ich kann mir Gott nicht ausrechnen, sondern mich ihm nur gläubig nähern.

Also: Gott ist auf vielfältige Art und Weise unterwegs zu uns Menschen. Er ist und bleibt ein Geheimnis. Er ist in sich selbst Beziehung und Kommunikation. Für diese Betrachtungsweise möchte uns das Hochfest der Hl. Dreifaltigkeit öffnen.

                                                                                                                                  Thomas Hoffmann