Wort zum Sonntag, Ausgabe 48

Wort zum Sonntag, 21. Februar 2021

Liebe Gemeinde,

„Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1, 15) – diese Worte Jesu hören wir im Evangelium vom 1. Fastensonntag. Wir können sie als Motto, einen Leitgedanken der 40-tägigen Fastenzeit betrachten, die wir am Aschermittwoch begonnen haben. Der Sinn und das Ziel dieser geprägten Zeit im Kirchenjahr, die auch die österliche Bußzeit genannt wird, sind die Besinnung und die ernste Vorbereitung auf Ostern, auf die Feier der Auferstehung Jesu. Was aber bedeutet „Umkehr“ im Sinne Jesu? Wie kann sie geschehen?

Den Weg der Umkehr anzutreten, bedeutet, mich von Gott ansehen zu lassen und in dieser Begegnung meine Unvollkommenheit, meine Gebrochenheit und meine Schuld zu erkennen. Ich kann so erfahren, dass ich von Gott „bis zur Vollendung“ (Joh 13,1) geliebt bin, dass er mir nahe ist. Er kann und will meine Gebrechen heilen. Er gibt mir so eine neue Chance, ihm ungeteilt nahe zu sein. Rudolf Stertenbrink, der ehemalige Prediger am Kölner Dom, zitiert aus einem Dokument, in dem Gott zu jedem Menschen spricht: „Ich kenne dein Elend, die Kämpfe und Verwirrungen deiner Seele; die Schwachheit und Krankheit deines Körpers; ich kenne deine Feigheit, deine Ohnmacht; gleichwohl sage ich dir: Gib mir dein Herz. Liebe mich, so wie du bist. Selbst wenn du oft in deine Fehler zurückfällst, die du ja lieber nicht haben möchtest: Liebe mich, so wie du bist. In jedem Augenblick und in jeder Lage, in der du dich befindest. Ich stehe wie ein Bettler vor deinem Herzen, ich, der Herr, und warte. Nur deine Zweifel und dein Mangel an Vertrauen könnten mich verletzen. Daher denk daran: Liebe mich, so wie du bist.“  

Nur wenn ich dieser Zusage glauben kann, kann ich auch vertrauen. Ich darf mich – mit meinen Träumen und Visionen, mit meinen Stärken und Schwächen, mit meinen Wünschen und Enttäuschungen, mit meinem Bemühen und Versagen, mit Freude und Trauer, mit dem, was mir Mut gibt, aber auch mit dem, was mir Angst macht – in Gottes Hände fallen lassen, denn ich weiß: er liebt mich so, wie ich bin. Wenn ich falle, schenkt er mir Kraft aufzustehen. Dieses Vertrauen bewirkt echte Umkehr. Wenn ich mich von der Liebe Gottes, die alle menschlichen Vorstellungen übersteigt, ergreifen lasse und diese Liebe so zum Fundament meines Lebens wird, kann die Fastenzeit reiche Frucht in mir hervorbringen. Erst dann, wenn ich mich ganz auf Gott und seine Kraft verlasse, spüre ich, dass mein Leben einer Kurskorrektur bedarf: zum Beispiel einer Abwendung von schlechten Gewohnheiten und einer Hinwendung zum Guten. 

In einem modernen Kirchenlied heißt es: „Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde. Heute wird getan oder auch vertan, worauf es ankommt, wenn er kommt.“ Gehen wir mit Unmittelbarkeit, Entschiedenheit und im gläubigen Vertrauen auf unseren Gott den Weg der Umkehr! Gestehen wir uns unser Versagen ein und bekennen es vielleicht auch im Sakrament der Buße. Suchen wir täglich Zeit, uns im Gebet vor Gott zu stellen. Öffnen wir unser Herz und unsere Augen auch für die Not unserer Mitmenschen. Dann werden wir an Ostern eine wahrhaft neue, sinngebende und freudebringende Begegnung mit dem Auferstandenen erfahren.

„Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“

In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine gesegnete Fastenzeit

Ihr Robert Solis, Pastor