Wort zum Sonntag, 2. Mai 2021

Bin ich ein Jünger von Christus?

Jesus widmete einen Abschnitt seiner Abschiedsrede der Notwendigkeit, in ihm zu bleiben.  Dies gilt für jeden, der auf ihn vertraut. Deshalb betont er, dass wir, wenn wir in ihm wirklich bleiben, auch tatsächlich seine Jünger werden.

Bin ich also ein Jünger Christi und möchte ich weiter lernen? 

Wir denken beim Thema Lernen automatisch an unsere Kindheit oder Jugend, als wir zur Schule gingen oder studierten. In der Zwischenzeit sollte jeder von uns – unabhängig von unserem Beruf oder unserem Platz im Leben – ein Jünger des Herrn sein, wenn wir getauft sind und uns als Gläubige betrachten. Und ein Jünger lernt ständig, denn jeder Tag bringt ihm etwas Neues.

Jesus gibt seinen Jüngern eine außergewöhnliche und heilsame Wahrheit weiter: “Ihr seid schon rein Kraft des Wortes, das ich zu euch gesagt habe. ” (Joh 15,3). (J 15,3). 

Wir sind an die Vorstellung gewöhnt, dass Wasser die Substanz ist, die reinigt. Der Herr Jesus hingegen weist darauf hin, dass es etwas gibt, das auf unvergleichlich bedeutsamere Weise reinigt. Es ist sein Wort, das uns bis in die Tiefe durchdringt.

Bin ich und wann bin ich ein Jünger Christi? 

Ein Jünger Christi hört ständig auf sein Wort und lernt. Mehr noch, er hört auf seinen Meister, auf sein Wort, das ihn reinigt. Es reicht ihm nicht, dass er einmal zugehört hat, und er meint auch nicht, dass er heute schon alles weiß. Er hört weiter zu, und was ihn dazu bewegt, ist vor allem Liebe. Wenn wir uns Verlobte oder Ehepartner ansehen, die sich lieben, sehen wir, wie sie einander wirklich zuhören. Man kann es in jeder ihrer Gesten sehen. In diesem gegenseitigen Zuhören und Anschauen sehen sie ihr großes Glück.

Lassen Sie uns nun überlegen, was wir hören. Sind wir uns bewusst, dass es Worte gibt, die beschmutzen, schwächen, zerstören, verderben? Währenddessen, Gottes Worte reinigen, stärken, heilen, bewahren – deshalb sollte ein Jünger Christi auf sie hören!

Der Jünger Christi ist derjenige, der bei ihm bleibt, der auf sein Wort hört, der es hoch schätzt, weil er weiß, dass es eine reinigende Kraft hat und das notwendige Licht gibt, um in der Wahrheit zu leben. 

Wie der Apostel Johannes so schön schreibt: “Daran werden wir erkennen, dass wir aus der Wahrheit sind, und wir werden unser Herz vor ihm zur Ruhe bringen. Und wenn unser Herz uns verklagt, so ist Gott größer als unser Herz und weiß alles” (1. Johannes 3,19-20).  Ein Jünger von Christus hört auf seinen Meister! Er weiß, dass sein Wort nicht nur reinigt, sondern auch beruhigt, besonders wenn das Herz voller Angst ist.

Bei Christus zu bleiben bedeutet nicht nur, das Wort zu hören, sondern auch die Gebote zu halten: “Wer seine Gebote hält, bleibt in Gott und Gott in ihm; und daran erkennen wir das er in uns bleibt: an dem Geist den, er uns gegeben hat.” (1 J 3,24). 

Das Bleiben in Christus wird am vollständigsten in der Eucharistie verwirklicht. Jesus macht uns klar: “Getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen” (Joh 15,5). Das außergewöhnliche und fantastische Geschenk ist bereits sein Wort, das erleuchtet, Weisheit gibt, reinigt und beruhigt. Aber das ebenso außergewöhnliche und fantastische Geschenk ist sein Leib und Blut. Denn auch wenn wir seine Weisheit kennen, können wir nichts ohne seine Kraft tun. Deshalb gibt sich Jesus uns, damit wir sein Wort in die Tat umsetzen können und so beweisen, dass wir tatsächlich mit ihm verbunden sind, denn: “Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht”. (J 15,5).

Wozu brauche ich, in Jesus zu bleiben? Es ist notwendig, um reiche Frucht zu tragen. Als Gott uns aus seinem liebenden Herzen heraus in die Welt schickte, hatte er die Absicht, dass jedes unserer Leben reiche Frucht bringt und uns und unseren Nächsten eine große Freude bereitet, und dass darin die große Herrlichkeit Gottes liegt. Das Bleiben bei Jesus sorgt dafür, dass das Leben Früchte trägt. Wenn der Baum keine Früchte trägt, fällen wir ihn. Was nützt das Leben, wenn es keine Früchte trägt?

Jesus lehrt: ” Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht”. (J 12,24). Deshalb empfange ich Christus in der Eucharistie, damit ich mich mit ihm so vereinigen kann, dass mein Leben reiche Frucht bringt. 

Lasst uns Christus für diese Erinnerung danken. Danken wir für diese sehr zärtliche, liebevolle Aufforderung. Und erinnern wir uns oft daran: ” Wer in mir bleibt …….. der bringt reiche Frucht, denn Getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.