Fronleichnam

Fronleichnam 2021                                                                                  Markus 14, 12-16.22-26

Es geht wieder los! Die Gaststätten und Restaurants öffnen endlich wieder außen und teilweise auch innen. Die Gastronomen freuen sich. Sie haben ihre Lokalitäten auf Vordermann gebracht und frisches Bier bestellt. Die Gäste sind begeistert und stehen in den Startlöchern auf dem Weg zum Lieblingsitaliener oder Griechen. Endlich, es geht wieder los, rechtzeitig zum meteorologischen Sommeranfang und zum schönen Wetter. Gefühlt wird Corona kleiner und die Freiheit größer. Alle Menschen haben eine große Sehnsucht: Hoffentlich wird das Leben ab sofort wieder etwas leichter!

Im Evangelium zum Hochfest Fronleichnam wird ein Raum für 13 Menschen gesucht. Sie wollen gemeinsam essen, Jesus und seine 12 engsten Freunde. Sie möchten ein Mahl halten, das später weltberühmt wird und als das Letzte Abendmahl in die Menschheitsgeschichte eingegangen ist. Dokumentiert wird dieses Essen nicht durch Anmeldelisten wie bei uns im Gottesdienst, sondern durch unzählige Gemälde von Leonardo da Vinci bis Salvator Dali. Anders als bei uns heute geht es bei Jesus und seinen Jüngern um einen Abschied, nicht, wie von uns heute so sehnlichst erwartet, um einen Neuanfang. Es ist aber ein Abschied mit Zukunft. Es ist auf geheimnisvolle Art und Weise ein Mahl, das nie endet. Eines, zu dem wir heute eingeladen sind.

Über Coronaregeln, Platzbeschränkungen und Landesverordnungen musste zu Jesu Zeiten niemand nachdenken. Im Gegenteil. In Jerusalem gab es eine Rechtstradition, die darin bestand, den Pilgern, die zu den großen Festen anreisten, großzügig und so gut wie umsonst Räume für ein Mahl zur Verfügung zu stellen. So findet Jesus für sich und seine Jünger einen Raum, um das letzte Abendmahl mit ihnen zu feiern.

Das letzte Abendmahl findet seine Fortsetzung in unseren Hl. Messen. Wir feiern Eucharistie, weil Jesus mit seinen Jüngern das Letzte Abendmahl gefeiert hat und uns dazu auffordert, dieses in seinem Namen immer und immer wieder zu tun. Dafür gibt er uns ein Versprechen, er werde dann, wenn wir dies tun, immer bei uns gegenwärtig sein. So wurde aus dem Letzten Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern ein großes Geschenk für uns. Dieses große Geschenk feiern wir jeden Sonntag. Heute, an Fronleichnam, ist der Tag, wo dies ganz besonders betont und uns vor Augen gestellt wird. Es geht um Jesu Gegenwart, sein Mitunssein in der Eucharistie, in der Hl. Messe.

Ein Schlüsselbegriff in der Eucharistie heißt „Wandlung“. Brot und Wein wandeln sich in Jesu Leib und sein Blut. Die Einsetzungsworte des Priesters sind es, die diesen heiligen Moment markieren und das Hochheben von Hostie und Kelch unterstreichen dieses Geschehen und machen es ganz deutlich für alle Gottesdienstbesucher. Wandlung ist das Besondere, das Geheimnisvolle, das Einzigartige in dem Format „Heilige Messe“.

Wenn wir bei der heiligen Handlung zugegen sind, liegt es nahe, daran zu denken, dass wir mitverwandelt werden oder sich etwas in uns wandelt. Es ist ja nur schwer möglich, das, was auf dem Altar geschieht, ganz von mir fernzuhalten und mich davor abzuschirmen. Was könnte es sein, was in uns zur Verwandlung ansteht? Was könnte sich bei mir oder in mir verwandeln?

Corona hat uns dünnhäutig gemacht. Oder müde und psychisch erschöpft! Oder an Grenzen geführt! Unsere Hoffnung angegriffen! Pläne durchkreuzt! Nerven gekostet! Fronten aufgebaut! Beziehungen und Kontakte gekippt! An manchen Menschen zweifeln lassen! Wir mussten den Mitmenschen aus dem Weg gehen, unsere Gesichter verstecken, stundenlang vor dem PC sitzen, immer neue Regeln verstehen und ertragen, noch mehr Verantwortung übernehmen als früher! Corona hat uns viel gekostet, damit wir möglichst viele Menschenleben erhalten. Es war nötig, aber es hatte auch seinen Preis.

Es ist an der Zeit, dass sich jetzt etwas verändert. Es ist an der Zeit, dass sich jetzt etwas wandelt. Es ist an der Zeit, dass sich jetzt etwas verwandelt. Nicht nur im öffentlichen Leben, sondern auch bei uns, in unserem Innern, unserem Herzen. Was muss jetzt wieder weicher werden, oder nachsichtiger, oder geduldiger, oder barmherziger, oder freundlicher, oder gelassener? Wem gegenüber müssen wir sagen: „Entschuldigung, ich habe über das Ziel hinausgeschossen, ich habe einen Fehler gemacht“. Wie heilsam könnte es sein, wenn mancher sagt: „Meine Angst war riesengroß, mein Bedürfnis, Recht zu haben, ebenfalls.“ Wie kann ich noch mit Stil und Größe die nächsten, hoffentlich nicht so schweren Coronamonate gestalten?

Ihre Wandlungshoffnungen und -wünsche, ihre Wandlungssehnsüchte können sie mit hineinnehmen in unseren Gottesdienst. Sie können sie auf den Altar legen. Sie können darum bitten, dass sie mitverwandelt werden. Sie können darum bitten, dass sie selbst verwandelt werden.

Damit kommen wir dem großen Geheimnis der Hl. Messe ganz nahe. Es geht um Wandlung, die nicht nur auf dem Altar geschieht, sondern auch im Herzen der Menschen. Die Messe geht weiter. Sie hat Auswirkungen in unser Leben hinein. So soll es sein. So hat Jesus es auch gemeint. So hat er sich das gedacht. Deshalb hat er mit den 12 Apostel damals das Abendmahl gehalten. Für uns. Heute. Für unsere Verwandlung.                                                                                                                                                                                                                                                                                                  Thomas Hoffmann

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