Das Wort zum Sonntag, Ausgabe 6

Wort zum Sonntag 6                                                                                  26. April 2020

Liebe Gemeinden,

wieso habe ich das nicht sofort bemerkt? Eigentlich hätte es mir doch gleich auffallen müssen! Warum habe ich mal wieder erst im Nachhinein den Durchblick?

Diese Fragen haben sich die beiden Emmausjünger vermutlich einige Zeit nach dem Ereignis ihres Lebens gestellt. Im Evangelium des heutigen Sonntags machen sie lange Wege. In der ersten Hälfte gehen sie von Jerusalem nach Hause in ihr Dorf Emmaus. Das ist der schwere Teil des Weges. Sie sind enttäuscht und niedergeschlagen. Jesus, ihre Hoffnung, ist gestorben. Sie sind ziemlich durcheinander. Sie wissen nicht, was die Zukunft bringt.

Die beiden Emmausjünger haben einen großen Redebedarf. Da passt es gut, dass ein Fremder den gleichen Weg hat und sie ihm unterwegs alles erzählen können, was sie bewegt und umtreibt. Erst viel später, beim Essen, erkennen sie, dass Jesus der Fremde war und die ganze Zeit mit ihnen gegangen ist.

ER geht mit, ER ist dabei, auch wenn wir IHN nicht bemerken. Das ist die Botschaft dieses schönen Osterevangeliums. Mit dieser umwerfenden Erkenntnis im Rücken sprinten die beiden Jünger förmlich zurück nach Jerusalem, um den Freunden Jesu davon zu berichten. Obwohl sie schon viele Kilometer in den Beinen haben, geht der Rückweg am gleichen Tag leichter als der Hinweg – die Auferstehung Jesu macht das möglich!

Die hinter uns liegenden Wochen waren eine große Herausforderung für uns Menschen. Besuche, Ausflüge und ein kurzes Gespräch im Supermarkt waren nicht mehr möglich. Weiterhin gelten Abstandsregeln und immer mehr Menschen tragen Gesichtsmasken. Was passiert mit der Wirtschaft, behalte ich meine Arbeit, bleibe ich gesund? Diese und noch viel mehr Fragen zehren an unserem Nervenkostüm.

Wie sich die nächsten Wochen entwickeln werden ist derzeit vollkommen unklar. Täglich, fast stündlich, verändert sich die Nachrichtenlage. Wer alles immer ganz genau und weit im Voraus wissen möchte, der ist momentan am Verzweifeln. Ständig kommen neue Verhaltensregeln hinzu oder alte Regeln werden gelockert. Wie lange noch verändert Corona unser gewohntes Leben? Niemand kann darauf eine Antwort geben. Mit dieser Ungewissheit zu leben ist gar nicht so einfach. Einigen gelingt das besser, anderen schlechter.

Wie hoch schätzen Sie die Wahrscheinlichkeit ein, dass viele von uns nach Corona sagen: ER, Jesus Christus, war in dieser Zeit da. ER ist mit uns mitgegangen und hat uns begleitet. ER hat Menschen stark gemacht und ihnen gute Gedanken eingegeben.

Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie selbst, von sich persönlich, sagen: „Er, Jesus Christus, war in den Coronazeiten bei mir?“ Wagen Sie einmal eine Prognose in Prozentzahlen. Sie kennen sich ja selbst am besten.

Als bei den Emmausjünger der Groschen fiel, als sie IHN erkannten und den Durchblick hatten, war das für sie eine große Freude und ein großes Glück.

Denkbar ist auch, dass der Groschen bei einigen von Ihnen schneller fällt und Sie sogar schon heute sagen: ER geht mit mir durch diese Wochen, ER begleitet mich und steht an meiner Seite.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie mit ihm als Verbündeten und Freund durch ihr Leben gehen, auch jetzt. Und ich wünsche Ihnen, dass Sie IHN auch bemerken.

                                                                                                                      Thomas Hoffmann

Sie hören

Die Lesung (Lektorin: Veronica Schatt)

Das Evangelium (Lektorin: Maria Scholz)

Das Wort zum Sonntag (Pfarrer Thomas Hoffmann)