Das Wort zum Sonntag, Ausgabe 5

Lesung 1 und 2 (Lektorin: Barbara Thiemann)

Evangelium (Lektor: Georg Kroll)

Wort zum Sonntag (Pfarrer Hoffmann)

Fürbitten (Meike Strauss)

Wort zum Sonntag 5                                                                                          19. April 2020

Heute stehe ich vor unserer St. Marien Kirche in Fallersleben. An diesem Wochenende finden hier noch immer keine Gottesdienste statt. Das ist die kirchliche Realität in den Zeiten von Corona. Ich weiß, dass viele von ihnen ihren Gottesdienst vermissen. Darauf bezogen hat mir in dieser Woche jemand geschrieben: „Dabei sein ist alles“ und „live ist es doch am schönsten“.

Wie soll es weitergehen? Über diese Frage denkt ganz Deutschland nach. Welche Einschränkungen sollen beibehalten werden? Was soll gelockert werden? Welche Folgen haben Entscheidungen nicht nur für die kommende Woche, sondern für die nächsten Monate? Unsere Politiker haben es wahrlich nicht leicht. Bisher haben sie sich aber ganz gut geschlagen. Auch ihnen gebührt unser Dank für die geleistete Arbeit.

Der Sonntag nach Ostern ist immer der Sonntag eines berühmten Apostels. Er heißt Thomas und hat einige Beinamen wie „der Ungläubige“, „der Zweifler“, „der Skeptiker“. Thomas ist ein Mensch, der es wirklich genau wissen will. Er möchte sich persönlich von der Auferstehung Jesu überzeugen. Die Berichte seiner Apostelkollegen reichen ihm nicht. Er möchte Jesus selbst berühren. Als später der Auferstandene auch ihm erscheint, kommt er zum Glauben.

Denken Sie ja nicht, dass Thomas von nun an pflegeleicht für Gott ist. Als er der Legende nach zur Mission nach Indien geschickt werden soll, sagt er zum auferstandenen Jesu Christus: „Sende mich überallhin, nur nicht nach Indien.“ Als er später für einen Herrscher einen Palast bauen soll, verschenkt er das dafür vorgesehene Geld an die Armen. Dieser Apostel Thomas macht nie, was andere für ihn vorgesehen haben. Er hat seinen ganz eigenen Kopf. Es war bestimmt nicht einfach, mit ihm auszukommen.

Für Gott war Thomas allerdings kein Problem. Gott konnte mit ihm, seinen Eigenarten und seinem Charakter, gut umgehen. Alles andere wäre auch höchst verwunderlich, denn Gott hat ja diesen Querkopf selbst erschaffen und sich etwas dabei gedacht. Ich bin froh, dass er mein Namenspatron ist.

Der Apostel Thomas ist, glaube ich, ein sehr aktueller Heiliger. Sein Wesen passt gut in unsere Zeit. Alle, die kritisch sind und um ihren Glauben ringen, haben in ihm einen prominenten Fürsprecher. Thomas verkörpert die Aufforderung an uns, Fragen zu stellen, genauer hinzuschauen und halbe Wahrheiten nicht zu akzeptieren.

Thomas war sich immer selbst treu. Trotzdem, oder gerade deshalb, hat er viel erreicht und bewegt. Er hat viele Menschen für Christus gewonnen und ihnen die frohe Botschaft nahe gebracht. Darum geht es auch heute in unserer Verkündigung. Die Coronazeit zwingt uns, manches neu zu denken und auszuprobieren. Neue Formen des Gottesdienstes entstehen und erreichen viele Menschen. Unsere Whattsapp-Gottesdienste z.B. sind wirklich ein Erlebnis und ein bewegendes Gemeinschaftsereignis.

Diese Zeit ist tatsächlich eine kreative Zeit, eine Zeit des Ausprobierens, eine Zeit der neuen Wege. Ich wünsche Ihnen, dass bei den vielen neuen Angeboten auch etwas für Sie dabei ist, was Ihnen gut tut und Sie im Glauben nährt. Gott kommt auf unterschiedlichen, unerwarteten und unkonventionellen Wegen in unsere Welt, gerade jetzt.

„Live ist doch das Größte“ – so ähnlich stand es in dem schon zitierten Brief. Darauf freue ich mich sehr, auf Livegottesdienste in unseren Kirchen. Bis dahin bitte ich Sie: Gehen Sie auf spirituelle Entdeckungstour – im Internet, in der Bibel, in der Natur, über das Telefon … Gott erwartet Sie!

                                                                                                                                              Thomas Hoffmann