Das Wort zum Sonntag, 4. Ausgabe – Ostern 2020

Wort zum Sonntag    (Ausgabe 4 – Ostern 2020)

Liebe Gemeinden!

Am Karfreitag hatten wir einen Whattsapp-Gottesdienst. Das ist ein Gottesdienst, bei dem alle Teilnehmer*innen ein Handy in der Hand haben und darüber Botschaften empfangen und ab und zu auch welche verschicken. 93 Handys haben daran teilgenommen, also ganz sicher mehr als 100 Menschen.

Zur Vorbereitung mussten alle daheim ein Kreuz verhüllen. Nach einiger Zeit wurde es enthüllt, genau wie in der Karfreitagsliturgie in der Kirche. Dann wurden alle aufgefordert, das Kreuz mit den vorher bereitgelegten Blumen zu schmücken und Bilder davon zu posten, also zu verschicken. Wunderschöne Bilder wurden an alle verschickt und zu spüren war, wie groß die innere Beteiligung an diesem Gottesdienst ist. Viele haben jetzt ein von Blumen gerahmtes Kreuz zu Hause.

Im Grunde wurden widersprüchliche Bilder gepostet. Das Kreuz ist ein Werkzeug des Todes. Die Blumen aber stehen für neues, aufblühendes Leben. So oder so ähnlich ist auch das momentane Erleben vieler Menschen bei uns. Wir sind umgeben von Todesnachrichten. Italien, Spanien. Großbritannien, USA, Deutschland – täglich erreichen uns hohe dreistellige Todesraten aus jedem dieser Länder. Wir sind aber auch schon in den Planungen für die Zeit danach. Im Kopf gestalten wir schon wieder ganz viel und der Aufschwung ist beschlossene Sache. Der Tod ist so nahe und trotzdem so fern – ein Widerspruch!

Im Grunde wurden aber auch Hoffnungsbilder gepostet. Zuerst war das Kreuz da, dann kamen die Blumen hinzu. Ein nacktes Kreuz sieht oft hart aus, ein geschmücktes Kreuz ist schön. Das Schwere und das Hoffnungsvolle finden zusammen. Beides steht jetzt nicht mehr gegeneinander, sondern findet zueinander. Die Kreuzigung bleibt, wird aber von Hoffnungsblumen umrahmt.

Im Grunde sind sogar Bilder von Gott entstanden. Sie erzählen davon, wie er mit unserem Leid umgeht. Gott nimmt das Leid nicht weg, sondern ist uns im Leid nahe. Er leidet mit. Sein Sohn Jesus Christus hat gelitten und kennt sich deshalb mit dem Leid aus. Er trägt das Leid zu Gott. Gott bewirkt keine leidlose Welt, er schnippt, im Bilde gesprochen, nicht mit den Fingern und alle Menschen sind gesund, reich und werden uralt. Er ist uns aber dann ganz nahe, wenn wir ganz unten sind, leiden und die Bedrohung unserer Existenz hautnah spüren. Kann es sein, dass diese Seite Gottes oft vergessen wird und stets neu zu entdecken ist?

Tatsächlich sind in unserem Karfreitagsgottesdienst richtige Osterbilder entstanden – oder zumindest Vorschau-Bilder auf das Osterfest. Die Blumen sind als Vorboten der Auferstehung zu deuten. Blumen bedeuten Leben, Wachstum, Entwicklung, Farbe und Freude. So wie die Natur gerade quasi explodiert, so hat die Auferstehung Jesu auf seine Jünger gewirkt, nachdem sie dieses undenkbare Ereignis erst einmal verstanden haben. Die Bilder in ihrem Kopf haben sich verändert. Konnten sie einige Tage immer nur an das Kreuz denken, so kommen jetzt Hoffnungsbilder hinzu, immer und immer mehr. Sie sehen wieder Chancen, sie haben wieder Mut, sie werden entdeckungsfreudig, sie lachen wieder, sie glauben an die Zukunft. Das ist Ostern. Das Kreuz ist noch da, aber es ist kleiner geworden. Und es ist mit seiner Todesbedeutung nicht mehr auf Platz 1 im Herzen der Menschen. Ostern ist ein Geschenk Gottes an uns. Gott hat Jesus Christus auferweckt. Für uns, damit wir an das Leben glauben wie Gott selbst, der ein Gott des Lebens ist.

Ich wünsche Ihnen frohe und gesegnete Ostern                                                                                                                                                                                                                 Thomas Hoffmann