Das Wort zum Sonntag, 3. Ausgabe – Palmsonntag

Wort zum Sonntag, Ausgabe zum 5. April – Palmsonntag

Liebe Mitchristen in Wolfsburg und in Gifhorn!

Heute stehe ich vor unserer St. Michael-Kirche in Vorsfelde. Hinter uns liegt eine heftige Woche. Die vielen Todesfälle im Hanns-Lilje-Heim machen deutlich, dass Corona auch bei uns angekommen ist.

Für uns Christen beginnt heute, am Palmsonntag, die Karwoche. Dabei schauen wir auf die letzten Tage und Ereignisse im Leben Jesu. Diese Tage waren für Jesus an Dramatik nicht zu überbieten. Zuerst der umjubelte Einzug in Jerusalem, dann das letzte Abendmahl mit seinen Jüngern, die schweren Stunden im Garten Gethsemane, die Verhaftung, die Verurteilung, die Kreuzigung und dann sein Tod am Karfreitag mit der anschließenden Grabesruhe.

Was jahrzehntelang nur für Menschen in Kriegs- und Hungergebieten oder in politisch extremen Situationen galt, ist jetzt auch zu uns nach Deutschland gekommen – das Leben selbst ist eher wie eine Karwoche und nicht wie ein freudiges Osterfest. So jedenfalls wird es von manchen oder gar vielen Menschen erlebt, heute, hier bei uns.

Die Karwoche ist die Einladung an uns Christen, mit Jesus zusammen seinen letzten Weg mitzugehen. Deshalb gibt es, außer in Coronazeiten, am Gründonnerstag die Fußwaschung und die Anbetung in der Nacht, deshalb beten Menschen den Kreuzweg und hören in unseren Gottesdiensten die Leidensgeschichte.

In dieser Woche erleben wir einen Jesus, der entschieden, verletzlich, zweifelnd, mutig und gemeinschaftsstiftend ist. Wir erleben ihn um seinen Weg ringend, verraten, verleumdet, vorgeführt und geschlagen. Und dennoch: er steht zu sich und seiner Sendung und sucht immer die Verbindung zu seinem Vater.

Mit Ihm durch diese Woche zu gehen, das ist das Programm für die nächsten Tage, auch, wenn wir keinen gemeinsamen Gottesdienst in der Kirche feiern. Ihm nahe sein und ihn als meinen Verbündeten zu entdecken, darum geht es. Er wird ein Verbündeter sein, der kein Held ist im herkömmlichen Sinne. Er wird ein Verbündeter sein, der seine Freiheit und Selbstbestimmung abgibt und der Freunde hat, die deutlich an ihre Grenzen stoßen. Er wird aber auch ein Verbündeter sein, der sich selbst treu ist und der meistens keine Angst hat, aber nicht angstfrei ist. Er wird ein Verbündeter sein, der trotz allem seine Würde behält und unerschütterlich an seine Werte glaubt.

Liebe Gemeinden, in dieser Woche brauchen wir ihn sehr dringend, den Verbündeten, Freund und Weggefährten Jesus Christus. Schauen sie auf ihn, lassen Sie sich mit hineinziehen in seine Lebensdynamik der kommenden Tage. Das Ziel heißt Ostern. Bis dahin ist es noch ein schwerer Weg. Er geht mit uns, ganz sicher.

                                                                                                                      Thomas Hoffmann