Das Wort zum Sonntag, 2. Ausgabe

Wort zum Sonntag, Ausgabe zum 29.März

Liebe Mitchristen in Wolfsburg und in Gifhorn!


Aktuell stehe ich vor der St.-Christophorus-Kirche in Wolfsburg. Für Einzelbeter sind unsere Kirchen geöffnet. Gottesdienste aber finden nicht statt. Sogar die wichtigsten Gottesdienste des gesamten Jahres, die Feiern in der Karwoche und zu Ostern, fallen aus oder werden vom Priester allein, stellvertretend für die ganze Gemeinde, gefeiert. Für viele Menschen ist das sehr schmerzhaft. Kirche ist der Ort der Gottesbegegnung. In unseren Kirchen ist Gott zugegen und zur Kirche und zum Gottesdienst zu gehen ist, wie „Gott einen Besuch abstatten“. Die gemeinsamen Gesänge, das Beten in Gemeinde, die Feier der Sakramente, all dies gibt Halt und verbindet uns mit Gott und der Gemeinschaft der Kirche. Das ist wie eine Tankstelle für die Seele. Der Heilige Ort hat eine besondere Wirkkraft. Die Seele beruhigt sich, das Herz schlägt etwas langsamer und die Gedanken fahren nicht mehr so schnell Karussell im Kopf. Gottes Gegenwart tut einfach gut.
Unsere Welt ist aber nicht plötzlich gottlos geworden, weil wir keine Gottesdienste mehr feiern dürfen. So ein Ge-danke ist vollkommen absurd, weil wir Menschen dann über Gott verfügen könnten und über seine Existenz ent-scheiden.
Die vergangene Woche hat gezeigt: an vielen Orten ist Gott in der Welt zugegen und er wirkt durch Menschen, ge-rade jetzt.
„Kann ich etwas für Sie einkaufen“; „Hallo, hier ist xy, wir haben lange nicht mehr telefoniert, ich wollte hören, ob es dir gut geht“ waren Sätze, die in den letzten Tagen so häufig ausgesprochen wurden wie noch nie. Freundliches Zunicken hat absolute Hochkonjunktur und es war noch nie so ehrlich gemeint wie heute.
Pflegekräfte und Erntehelfer haben sich freiwillig zum Dienst gemeldet. Verkäuferinnen leisten einen unermüdli-chen Dienst für ihre Mitmenschen. Menschen im Gesundheitswesen erweisen sich als wahre Helden in Coronazei-ten. Unsere Verwaltungen und die Politik sind tatsächlich in der Lage, schnelle und gute Entscheidungen zum Wohle der Gemeinschaft zu treffen.
Die spirituellen Ideen wachsen wie Pilze aus dem Boden. Sie sind oft originell, kreativ und praktisch. Sie bringen Gott zur Sprache, auf ungewohnte Art und Weise und auf anderen Kanälen. Es lohnt sich wirklich, täglich auf unsere Homepages zu schauen.
Liebe Gemeinden, ich glaube, Gott ist in all diesen Beispielen immer auch mit am Werk. ER mischt sich ein, ER bringt Menschen auf gute Gedanken, ER befähigt sie und legt ihnen nahe, menschlich zu handeln. Möglicherweise erleben wir sogar eine Zeit, in der Gott überraschend und außerordentlich beeindruckend durch uns Menschen wirkt und deshalb auch überraschend und außerordentlich beeindruckend in der Welt zugegen ist.
Niemand weiß, wie lange es noch die Kontaktsperre und das Versammlungsverbot gibt. Wir müssen noch einige Wochen aushalten. Es kann sein, dass diese Wochen noch herausfordernder werden als die letzte Woche. Dennoch, da bin ich ganz sicher, werden es Wochen, in denen Gott uns nahe sein wird und in denen er in der Welt am Werk ist.
Dann aber, wenn irgendwann alles wieder möglich sein wird, werden wir Gottesdienste feiern mit einer lauten Or-gel, mit Weihrauch, mit schönen Liedern und allem, was dem katholischen Herzen gut tut. Versprochen!
Bis dahin aber bitte ich Sie als ihr Pfarrer um äußerste Vorsicht. Bitte passen sie gut auf sich und ihre Lieben auf.
Und ich empfehle ihnen diesen besonderen Blick, der es möglich macht, Gottes Spuren in dieser Welt zu entdecken. Es gibt so viele Spuren, Stimmen und Taten Gottes bei uns, gerade jetzt. Davon bin ich fest überzeugt!