Das Wort zum Sonntag, 1. Ausgabe

Wort zum Sonntag, Ausgabe zum  22. März

Liebe Gemeindemitglieder,

wir alle haben eine bewegende Woche hinter uns. Die Corona-Krise hat unser Land erfasst und bestimmt die Schlagzeilen. Weitere herausfordernde Wochen werden folgen. So gut wie niemand von uns hat jemals eine Epidemie erlebt. Deshalb stehen die Allermeisten vor der Aufgabe, möglichst schnell Altgewohntes zu verlernen und Neues zu erlernen.

Freundliches Händeschütteln, gemütliche Zusammenkünfte mit Freunden, Cappuccino in der Fußgängerzone und Gottesdienstbesuche sind tabu. Es geht darum, sich selbst und andere zu schützen. „Ich entscheide selber, wohin ich gehe, was ich mache, wen ich treffe und wie nahe ich fremden Menschen komme“ – solche Aussagen gelten in Corona-Zeiten als unsolidarisch und asozial.

Einiges von dem, was wir über die christliche Nächstenliebe gelernt haben, hat sich in den letzten Tagen ebenfalls verändert. Heute bedeutet Nächstenliebe, räumlichen Abstand zu anderen Menschen zu halten, sich häufig die Hände zu waschen und nur das Allernötigste außerhalb meiner Wohnung zu erledigen.

Trotzdem! Es ist möglich, an die anderen zu denken und für sie da zu sein, sie zu unterstützen und Nähe auszudrücken – nur anders als früher. Zum Glück gibt es schon jetzt viele kreative Ideen und Initiativen, die mit räumlichem Abstand nahe bei den Menschen sind. Es wird wieder mehr telefoniert, besonders Alleinlebende werden von freundlichen Mitmenschen angerufen. Es gibt Einkaufsdienste Für Senioren. Im Internet sind viele neue, gute Angebote zu finden. Exerzitien im Alltag, Newsletter für Familien, unser Seelsorgetelefon mit der 0800er-Nummer für Wolfsburg und Gifhorn, Hausliturgien, Gottesdienstübertragungen, Glockenläuten als menschenverbindendes Element zu festgesetzten Uhrzeiten und noch vieles mehr. Ein Blick auf unsere Homepage lohnt sich.

In Krisenzeiten wächst die Kreativität, auch in der Kirche. In Krisenzeiten zeigt sich der Charakter eines Menschen und einer Institution.

Ich bin dankbar für die vielen guten Ideen in unserer Gesellschaft und in der Kirche. Ich finde es großartig, dass viele Menschen gerade jetzt neue Wege in ihrem Glauben finden und dafür einen Ausdruck suchen. Wir sind dabei, manches neu zu definieren für diese besondere Zeit, die Corona-Zeit – Nähe und Distanz, Wichtiges und Unwichtiges, Spiritualität, Nächstenliebe, Gemeinschaft, Gottesdienst, Gespräch mit Gott …

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag und eine gute neue Woche. Mögen Ihnen viel Gutes begegnen.

                                                                                                                      Thomas Hoffmann, Pfarrer